Frühchen haben schlechtere Karten


Ausbildung und Einkommen

Temperaturkontrolle bei einem Frühchen auf der neonatalen Intensivstation.
mauritius images / BSIP / Amelie-Benoist/Image Point Fr

Dank der modernen Medizin gewinnen immer mehr Frühgeborene den unmittelbaren Kampf ums Überleben. Als Jugendliche und Erwachsene haben die Ex-Frühchen allerdings oft wieder zu kämpfen - zumindest was die berufliche Karriere und das Einkommen angeht.

Überlebenschancen immer besser

Die Überlebenschancen von Frühgeborenen haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert. In den 1960er-Jahren sind beispielsweise noch fast alle Babys mit einem Gewicht unter 1000 g während oder kurz nach der Geburt gestorben. Heute überleben mindestens 90% dieser Kinder. Abhängig von der medizinischen Versorgung haben inzwischen sogar extreme Frühchen mit einer Geburt in der 23. Schwangerschaftswoche eine gute Chance.

Etliche der Kinder leiden auch später im Leben unter Einschränkungen. Denn vor allem bei einer Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche droht eine verlangsamte Hirnentwicklung. Bisher gab es immer wieder Hinweise darauf, dass sich das negativ auf die Bildung und das spätere Einkommen auswirken könnte. Um dies genauer zu untersuchen, startete eine kanadische Arbeitsgruppe eine groß angelegte Studie an über 2,4 Millionen Personen, die zwischen 1990 und 1996 in Kanada geboren worden waren.

Häufiger arbeitslos und ohne Abschluss

In der Tat hatten es die Frühgeborenen dieser Studie schwerer als die termingerechten Kinder. Sie waren zu 2,13% häufiger arbeitslos und hatten ein um 6% niedrigeres Einkommen. Sie besuchten zu 17% seltener eine Universität und erreichten dort zu 16% seltener einen Abschluss. Für extreme Frühchen, die zwischen der 23. und der 27. Woche auf die Welt gekommen waren, ergaben sich noch schlechtere Ergebnisse. Ihr Einkommen war um 27% niedriger, ihre Arbeitslosenquote um 13,5% höher und akademische Ziele erreichten sie zu 45% seltener.

Womöglich sind die Auswirkungen auf die Karrieren nicht nur auf medizinische Einbußen zurückzuführen, schreibt das Autorenteam. Frühchen werden häufiger in sozial benachteiligten Schichten geboren. Zudem ist der erhöhte Betreuungsaufwand der Frühgeborenen mit erhöhtem wirtschaftlichem und psychischem Stress für die Eltern verbunden, was sich ebenfalls auf die Ausbildung der Kinder auswirken könnte.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

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